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Pressemitteilung

„Wirtschaft neu denken“ aus der Reihe „ÖDP im Gespräch“

Um neue Wege für die Wirtschaft ging es bei einer weiteren Ausgabe von „ÖDP im Gespräch“, einer Veranstaltungsreihe des ÖDP-Kreisverbands Main-Tauber. Lukas Czarny aus Nürtingen stellte in Lauda die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) als eine Alternative zum aktuell vorherrschenden Wirtschaftssystem vor.

Nach dem dominierenden Wirtschaftsverständnis, so Czarny, sei das Wohl der Wirtschaft das Maß aller Dinge. Das Wohlbefinden des Menschen sowie eine intakte Natur seien dagegen nachrangig. „Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es den Menschen gut“, laute derzeit das Credo. Wirtschaftliches Wachstum werde als Lösung aller Probleme dargestellt. Dabei sei es in Wahrheit genau umgekehrt: Eine intakte Umwelt sei die Voraussetzung für ein gutes Leben der Menschen und letztlich auch für eine funktionierende Wirtschaft. Das heutige Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde bedauerlicherweise auch durch Folgekosten von Naturzerstörung, zum Beispiel einer Ölpest, gesteigert. Dabei stellen gerade Ökosystemleistungen wie fruchtbare Böden, Regulierung des Klimas oder Erholung Schätzungen zufolge bis zum doppelten Wert des weltweiten BIP bereit.

Es sei also auch aus diesem Grund absolut notwendig, die Natur zu schützen und auch für kommende Generationen zu erhalten. Jedoch seien schon jetzt die planetaren Grenzen in den meisten Bereichen überschritten. „Wir sägen uns selbst den Ast ab, auf dem wir alle sitzen“, so Czarny. Die Wirtschaft dürfe kein Selbstzweck sein, sondern müsse im Dienst von Mensch und Natur stehen.

 

„Unser Wirtschaften auf Kosten der Natur hat wenigen Menschen zwar hohen Wohlstand gebracht, der größte Teil der Weltbevölkerung hat jedoch an diesem Wohlstand so gut wie keinen Anteil“, meinte Czarny. Auch für diese soziale Komponente sei ein alternatives Wirtschaftsverständnis unbedingt erforderlich. Wirtschaften soll den Zweck haben, dem Gemeinwohl zu dienen. Dieser Gedanke sei keineswegs neu, sondern sei bereits bei Aristoteles zu finden und werde im deutschen Grundgesetz sowie in mehreren Landesverfassungen genannt. Es gebe zahlreiche alternative Wirtschaftsmodelle, darunter die GWÖ, die 2010 von Christian Felber näher beschrieben wurde. Diese habe zum Ziel, wirtschaftlichen Erfolg nicht länger an den Mitteln des Wirtschaftens (Geld, Kapital, Finanzgewinn) zu messen, sondern an den Zielen Bedürfnisbefriedigung, Lebensqualität und Gemeinwohl. Die GWÖ schlage, ergänzend zur Finanzbilanz, eine Bilanzierung vor, die den Beitrag einer Organisation zum Gemeinwohl misst. Mit Hilfe der „Gemeinwohl-Bilanz“, die laufend aktualisiert und verbessert werde, könne sich ein Unternehmen oder auch eine Institution nach den Werten Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz und Mitentscheidung zunächst selbst bewerten und anschließend einer externen Prüfung unterziehen. Nach den Vorstellungen der GWÖ sollen gemeinwohlorientierte Unternehmen dann zum Beispiel Steuer- und andere Vorteile erhalten. Für Lukas Czarny ist die Gemeinwohl-Ökonomie eine „großartige Idee, die in die Welt hinausgehen soll“, denn „gut sein muss sich lohnen“. Zum Abschluss des Abends zeigte er noch verschiedene Möglichkeiten auf, sich in der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung zu engagieren. 

 

Ute Göggelmann

 

 

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