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(Zukunftsinvestition Jugend an die Spitze stellen
Christian Pfeiffer kommt nach Lauda)
Seine Forschungsergebnisse zur Medienwirkung auf Kinder und Jugendliche stoßen bundesweit auf parteiübergreifendes Interesse: Nun hat die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) des Main-Tauber-Kreises den Kriminologen Prof. Dr. Christian Pfeiffer nach Lauda eingeladen.
Als Vater wurde er im Freundeskreis auf die Sorgen anderer Eltern aufmerksam, deren Kinder durch Computerspiele und Fernsehen immer mehr ins schulische Abseits gerieten. Das betraf und betrifft nicht nur Jugendliche, sondern bereits Kinder im Grundschulalter.
Als Prof. Dr. Christian Pfeiffer dann vor etwa zehn Jahren mit Forschungen zu Jugendgewalt und Kinderkriminalität begann, war das die Gelegenheit, die Fragen zu stellen, die sich ihm bereits in seinem Privatleben aufgedrängt hatten: Es war die Chance, die Gewaltthematik mit einem anderen akuten Problem in Verbindung zu bringen: mit der Leistungskrise der Jungen. Es war der Zeitpunkt, das Thema Killerspiele auf das Thema Medienkonsum zu erweitern: Pfeiffer initiierte ein Forschungsprogramm, das das Medienverhalten von weit über 20000 Kindern und Jugendlichen aus ganz Deutschland statistisch erfasste und mit Daten zu Schulleistungen verknüpfte. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen in Zusammenarbeit mit Pädagogik, Hirnforschung, Medienpsychologie und anderen relevanten Humanwissenschaften eine neue Interpretation der PISA-Ergebnisse.
Das Problem ist gesellschaftlich akut. Das wird nicht erst in statistischen Extremwerten deutlich (z. B. weist in Sachsen-Anhalt inzwischen jeder 11. männliche Jugendliche ein suchtartiges Computerspiel-Verhalten auf), sondern generell sind die Leistungen der bundesdeutschen männlichen Jugendlichen hinter die der Mädchen signifikant zurückgefallen. „Ich bin enttäuscht, wie schwach sich die Politik in diesem Bereich engagiert”, sagt Christian Pfeiffer auf die Frage, wie er denn die Wahrnehmung des Problems durch die maßgeblichen Instanzen einschätze.
Trotzdem sieht Christian Pfeiffer, der seit 2003 das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) leitet, Potenziale zur Bewältigung des Problems. Das wissenschaftliche Team des KFN bewältigt eine Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit mit jährlich mehreren hundert Radio- und Fernsehinterviews sowie Pressegesprächen und einer ausgedehnten Vortragstätigkeit im In- und Ausland. Was wollen Christian Pfeiffer und seine Mitarbeiter erreichen?
Es geht ihnen nicht um ein Verbot der digitalen Medien, die aus dem gesellschaftlichen Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Sie haben die Kommunikation revolutioniert. Es geht um einen konstruktiven Umgang mit diesen Medien, einen Umgang, der Schulleistungen nicht gefährdet, sondern fördert.
Was aber entscheidet darüber, ob letztlich Chancen oder Gefahren überwiegen? Nicht unwesentlich entscheidet hier der Einfluss verantwortlicher Erwachsener: Eltern, Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten und Schulstufen, Erzieher und Erzieherinnen, die eine der wichtigsten Adressatengruppen des KFN darstellen. Und nicht zuletzt sieht Christian Pfeiffer, der in den letzten Jahren mit seinen Veranstaltungen über 40000 Kinder und Jugendliche direkt erreicht hat, in den Jugendlichen selbst erfreuliche Potenziale zur Bewältigung des Problems: Er erlebe überall, wo er und seine Mitarbeiter die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Medienwirkung mit Jugendlichen diskutieren, „eine große Bereitschaft, sich engagiert auf diese Themen einzulassen
Wenn man den Jugendlichen ehrlich und offen gegenübertritt, die Dinge anspricht und dafür Fakten benennen kann, bestehen gute Chancen.” Von der Politik aber wünscht sich Pfeiffer „mehr Problembewusstsein” und vor allem „eine klare Entscheidung, Zukunftsinvestition Jugend an die Spitze zu stellen.”
Prof. Dr. Christian Pfeiffer hält seinen Vortrag mit dem Titel „Auswirkungen extensiven Medienkonsums was ist zu tun?” am Freitag, den 11. Februar, um 19.30 Uhr, in Lauda in der Aula des Martin-Schleyer-Gymnasiums. Vor allem Eltern und alle im Erziehungs- und Bildungsbereich tätigen Erwachsenen sowie alle interessierten Jugendlichen sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.
Verfasserin: Christine Stankus, Tauberbischofsheim